Gemeinde Gössenheim und Sachsenheim mit Wappen



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"Strecke 46 - die vergessene Autobahn", Ausgabe 2007, von Dieter Stockmann, Veitshöchheim

 

 

Ja, die sollte es tatsächlich einmal geben. Unsere Ältesten wissen es noch ganz genau und unsere Jüngsten schon längst durch das Internet. Die breite Mehrheit weiß jedoch wenig bis gar nichts davon.

 

Als 1926 in Italien die Autobahn erfunden wurde, war der Ehrgeiz deutscher Ingenieure und Geologen enorm angestachelt und es wurden mehrere deutsche Autobahnen geplant. Zu Bauausführungen aber kam es kaum, weil die Entschädigungszahlungen des 1. Weltkrieges das Deutsche Reich hierfür zahlungsunfähig machten und die Regierung keine Privatinvestoren zuließ.

 

Ein Traum vieler Planer war eine Nordsüdautobahn von Flensburg bis nach Garmisch-Partenkirchen. Fertig geplant unterteilte sich diese in verschiedene Abschnitte, die als „Strecke 1 bis ...“ bezeichnet wurden. Da das ab 1871 vereinte Deutsche Reich  auch so hieß, bezeichnete man die geplanten Trassen als Reichsautobahnen. Dieser Namenszusatz, den es u. a. auch für Regierungsmitglieder gab (z. B. Reichskanzler) oder die Eisenbahn (Reichsbahn), hatte überhaupt nichts mit dem Nazi-Regime ab 1933 („Drittes Reich“) zu tun und war auch nicht deren Verdienst.

 

Teil der geplanten Reichsautobahn von Dänemark bis Österreich war der Abschnitt von Bad Hersfeld über Fulda nach Würzburg, der als „Strecke 46“ bezeichnet wurde. Zum Ausbau von Bad Hersfeld bis Fulda reichten die spärlichen Gelder, aber von Fulda bis Würzburg entstanden nur noch Waldrodungsschneisen und einzelne Brückenbauwerke. Auf Karsbacher Gemarkung wurden verschiedene Wassergräben bereits verrohrt. Die letzte Rodungsschneise endete am Waldrand zwischen Adelsberg und Karsbach nördlich des Schreckfeldes.  Dort sollte eine Rastanlage gebaut werden mit Blick auf die Ruine Homburg und baumschattigen  Parkplätzen.

Eine große Talbrücke sollte das Werntal auf Höhe der Eichenau überqueren.

 

Ab dem Jahr 1937 wurde der Ausbau vorangetrieben, aber wegen des bevorstehenden Krieges reduziert und Anfang 1941 gänzlich eingestellt. Das Geld zum Weiterbau fehlte und die Arbeiter wurden für Kriegseinsätze benötigt. Der Bereich Gössenheim lag im Bauabschnitt IV, Bau-km 32,2 bis 41,0. Nach Kriegsende wurde eine günstigere Straßenführung geplant und die bisher geschaffenen  Bauwerke zur „vergessenen Autobahn“. Im Jahr 2003 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt und gilt als Deutschlands längstes Denkmal.

 

Als der Vermessungsingenieur (Dipl. Ing.) FH, Robert Ammersbach aus Gössenheim, als Berater zur Erstellung unserer Wanderkarte 2011 hinzugezogen wurde, hatte er die Idee, den weiteren Trassenverlauf der „Strecke 46“ über die Gössenheimer Gemarkung für die Nachwelt zu rekonstruieren. Als sein Kartenwerk vollendet war, wurde es in die Homepage der Gemeinde Gössenheim eingestellt, damit sich jeder Geschichtsinteressierte informieren kann. Auf seine Anregung hin informieren blau-weiße Hinweisschilder in der Natur die Schnittstellen von Wanderwegen als kleine Heimatkunde.

 

 

Quellen:

Rekonstruktion durch Robert Ammersbach Vermessungsingenieur Dipl. Ing. (FH)

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