Gemeinde Gössenheim und Sachsenheim mit Wappen



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© 2016 Johannes Schmelz Verwaltungsgemeinschaft Gemünden a. Main


 

    Festvortrag von Helmut Hojenski

     

    Sehr geehrte Damen und Herren, verehrter Herr Landrat, liebe Homburg - Freunde,

     

    wir haben uns heute zum "Tag des offenen Denkmals" hier auf der Burgruine HOMBURG o. d. Wern zur 40-jährigen Geburtstagsfeier des Homburg- und Denkmalschutzvereins an historischer Stätte versammelt. Mit Freude und Anerkennung wollen wir auf jene Männer und Frauen zurückblicken, die in heimatlicher Verbundenheit, sich weitsichtig für die Erhaltung und Bewahrung der Kunst- und Geschichtsdenkmäler als Kulturgüter unserer fränkischen Heimat, leidenschaftlich durch ihr ehrenhaf-tes Engagement, einsetzten.

     

    Es galt dem Zahn der Zeit Einhalt zu gebieten und dem weiter unaufhör-lich fortschreitenden Verfall der Burgruine HOMBURG o. d. Wern aufzu-halten. Durch zustimmende Aufrufe an die Bevölkerung unterstützt, wurde so am 17. August 1960 unter Leitung des damaligen Landrates Herrn Dr. Bamberg im Hotel Schäfer in Gemünden a. Main in einer Gründungsver-sammlung der Homburg- und Denkmalschutzverein ins Leben gerufen. An alle, denen die Sorgen für die Erhaltung der HOMBURG sowie der übrigen Baudenkmäler des Landkreises am Herzen liegt, erging deshalb der Aufruf, sich als Mitglieder dem Homburg- und Denkmalschutzverein anzuschließen.

     

    Schon bald gelang es dadurch, bei der Bevölkerung das Interesse für die Kulturgüter zu wecken und neue Mitglieder für den Verein zu gewinnen, so dass durch Unterstützung des Landkreises und der Landesregierung frühzeitig mit den ersten Sanierungsarbeiten begonnen werden konnte. Die im Laufe der vergangenen Jahre durchgeführten Sicherungsmaßnahmen geben ein deutliches Zeugnis für die großen Aktivitäten des Vereins zur Erhaltung des HOMBURG. Schon 1962 hat überregional die deutsche UNESCO - Kommission die Landesregierung zur deutschen Denkmalpflege "zum Bewahren und Gestalten" für historische Denkmäler aufgerufen.

     

    Wir freuen uns daher um so mehr über die weitergehende Unterstützung durch Fördermittel des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Die historischen Ursprünge der HOMBURG und somit ihre Entstehungsgeschichte darzustellen ist wegen der bis in das frühe 11. Jahrhundert zurückreichenden spärlichen Unterlagen sehr schwer zu vermitteln. Der Ursprung der HOHENBERGER Familiengeschichte, der "Erbauer der HOMBURG" liegt nach wie vor im Dunkel der Geschichte und lässt sich auch in den bekannten Adelsarchiven von Anfang her nicht mit Bestimmtheit nachweisen. Unsere Heimat hier, wie überhaupt die Lande um den Main, waren ursprünglich ein Teil des thüringischen Reiches.

     

    Als im Jahre 533 dieses Reich von Chlodwigs Söhnen zerschlagen wurde, schoben die fränkischen Eroberer ihr Machtgebiet vom Rhein her in das Innere Deutschlands vor. Bereits zu Anfang des 7. Jahrhunderts war die Main- und Werngegend dem Merowingerreich unterworfen und fränkische Siedler hatten sich in großer Zahl festgesetzt. Der Grund und Boden wurde als Königsgut erklärt. Die Besitznahme erfolgte durch feierliches Umgehen und Abgrenzen mit Hilfe von Bergkuppen, Bachläufen, Quellen und gekennzeichneten Bäumen. Die auf diese Weise gewonnene Feldmark wurde dann an die fränkischen Edlen und Freien als Lehn gegeben und später durch Rodung erweitert. Auf dies Weise mögen auch die HOHENBERGER zu uns gekommen sein.

     

    Der älteste Vertreter der Familie von HOHENBERG war OTTO von HOHENBERG an der Lahn in Hessen, der 992 starb. Sein Sohn ARNOLD von HOHENBERG zu HOMBURG an der Lahn lebte um 972, verheiratet mit Veronica von Marburg. Sie hatten zwei Söhne, ADOLF und REINHARD. ADOLF, der ältere, heiratete Lise, Tochter des Landgrafen von Hessen, kam aber mit seinem Schwager, dem jungen Landgrafen, in ein tiefes Zerwürfnis, angeblich wegen Räubereien und Unfriedensstiftungen im Lande. Von diesem wurde ihm der Aufenthalt in de Heimat verleidet, so dass er um 1005 von dannen zog, mitsamt Familie und Gesinde.

     

    Der jüngere Bruder REINHARD schloss sich ihm an. Sie machten am Ufer des Mains an der Mündung der Wern Halt, zur Siedlung. Der Grund und Boden war Reichseigentum, über das nur der Kaiser verfügte. Das Gelände lag aber im Befehlsbereich des Fürstbischofs, der seine Zustimmung geben musste. Es war nicht etwa Lehnsgut von ihm als dem Arbeitgeber oder Dienstherren, sondern er war vollkommen unabhängig von ihm, zahlte ihm weder Zins noch ordentliche Bede (Steuer). Es war Grundbesitz des freien Reiches vom Kaiser, ohne Zwischenhandel durch den Fürstbischof, Burggrafen oder freien Herren.

     

    Der Kaiser gab diese Verleihung gerne, weil er mit ADOLFS Wegzug aus Hessen das dortige Land befriedete. Der Fürstbischof versprach sich durch Aufnahme zweier waffenerprobter Ritter nebst Mannen tatkräftige Mithilfe in möglichen Streitigkeiten mit eingesessenen Rittern oder auswärtigen Grafen. Außerdem wurde ihm wieder ein Stück Land mehr gerodet und sein Kulturland vorgetrieben. Das Gebiet war fast nur Waldgelände, das als Jagdgebiet sich in nordsüdlicher Richtung von Wolfsmünster im Saaletal über die heutige Seifriedsburger, Adelsberger und Wernfelder Gemarkung bis nach Gambach erstreckte, wohl 15 - 20 km Entfernung.

     

    Von West nach Ost reichte es von den urwaldähnlichen Forsten jenseits des heutigen Massenbuch über Gössenheim bis nach Aschfeld und Bühler, wohl ebenfalls 15 - 20 km. Sogar die Berge auf dem rechten Saaleufer von Kleingemünden bis Wolfsmünster gehörten zum HOHENBURGER Wildbann. ADOLF von HOHENBERG erbaute auf dem Berge zwischen Main und Wern das Schloss ADOLFSBÜHL, später ADELSBERG, aber in den Urkunden fast immer ALLESBERG genannt. Sein Bruder REINHARD heiratete Anna von Trimberg. Um sich mit ihr sesshaft zu machen, baute er im Jahr 1018 auf dem Setzberg oberhalb Gössenheim zuerst eine kleinere Burg und nannte sie HOHENBURG, später HOMBURG o. d. Wern.

     

    Da diese aber den Herren von Saaleck und Trimberg ausgesetzt war, die noch immer wie in der Vorzeit ihre Streifzüge bis auf die Höhe des Setzberges herantrieben, fühlte sich REINHARD ständig unsicher und erbaute von 1028 - 1031 mit Unterstützung seines Bruders ADOLF von HOHENBERG, wohnhaft auf ADOLFSBÜHL, die Feste HOMBURG o. d. Wern. Die Rodung auf dem Setzberg bot wenig Schwierigkeiten, da die Bergkuppe reiner Felsboden war und keinen hohen Baumbestand aufkommen ließ. Die großen Ausmaße der gesamten aus massiven Steinquadern errichteten Burganlage, hatte in Unterfranken im frühen Mittelalter keine Vorläufer. So gilt die HOMBURG o. d. Wern auch heute noch als eine der größten Burgruinen Deutschlands.

     

    Zwei Gedenksteine oberhalb des Haupteingangs waren noch 1751 an der Wohnung des Burgherren vorhanden. Auf der ersten Tafel war in lateinischen Buchstaben zu lesen: 1028 Adolf und Reinhard begannen gemeinsam dieses Werk. Die Inschrift der zweiten Tafel lautete: Dies Huis mit sinem Slos im Tor baut Adolf und Rinhard im III. Jahr. Im uf wart gen Trimburg und Saaleck zu stan, dass si hiher nimer konnen rauben gan. In unsern Gotts hut stet Hohenburger hab und gut. Die von drei Seiten durch senkrechte Bergwände als uneinnehmbar geltende Burg wurde sehr weiträumig angelegt. Zuerst entstanden die Unterkunftsräume, auf der äußersten Bergnase durch einen Zwinger geschützt und nach Osten durch Graben und Zugbrücke vom Bergrücken getrennt.

    Beim Eintreten in die Burg hatte man vor sich über guten Kellern das Wohngebäude mit zwei Oberstockwerken, links hinter einem Brunnen die Kemenaten (Frauengemächer), rechts zu ebener Erde die Küche mit dem Rittersaal. Wohl nicht zu lange danach entstand außerhalb der Wohngebäude, nach Osten hin, auf der sich erweiternden Fläche des Berges ein sehr umfangreicher Burghof mit Ställen, Schuppen, Scheunen, Gesindewohnungen, ein Brunnen und später kam eine Burgkapelle dazu.die ganze Anlage wurde gegen den Berg hin durch eine außerordentlich dicke und hohe Schildmauer mit rundem Bergfried und tiefen Burggraben abgeschirmt.

     

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