Gemeinde Gössenheim und Sachsenheim mit Wappen



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© 2016 Johannes Schmelz Verwaltungsgemeinschaft Gemünden a. Main


 

    Geschichte der Zehntscheune

     

    Das Gebäude liegt zurückversetzt an der Hauptstraße, fast am Ortsausgang Richtung Karsbach, und wirkt eher unscheinbar. Sieht man aber genauer hin, entdeckt man, dass über dem Rundbogenportal im rechten Gebäudeflügel das Wappen von Julius Echter prangt. Zehntscheune historisch

     

    Offiziell ließ der Würzburger Fürstbischof den Bau 1587 errichten und 1614 erweitern, wie die Inschrift verrät, "dem armen untertan zu nutz". Eher wohl ihm selbst zu nutz, denn das Gebäude war die Gössenheimer Zehntscheune. Hier mußten die Bauern ihren Zehnt, also 10 % des Gesamtertrages ihres Grundbesitzes in Naturalien und später auch in Geld, abliefern. 1469 war Gössenheim “ein würzburgischen Pfarrdorf” geworden.

     

    In diesem Jahr hatten nämlich die letzten Bickenbacher auf der Homburg, Konrad XI und seine Frau Agnes ihre umfangreichen aber hochverschuldeten Besitzungen im Werngau - einschließlich der mächtigen Homburg - an das Hochstift veräußert. Ihr Sohn, der schwachsinnige Konrad XII blieb auf der Burg wohnen, wo er 1497 als letzter Vertreter seiner Familie starb.

     

    Der Fürstbischof setzte einen Amtman ein, der die Besitzungen des Hochstifts in der Umgegend zu verwalten hatte. Zu seinen Aufgaben gehörte natürlich auch darauf zu achten, dass die Zehntscheune immer ordentlich gefüllt wurde. Platz genug war in den Etagen der hufeisenförmig angeordneten Gebäudeflügeln. Der Keller mit den wuchtigen, von Würfelkapitellen gekrönten Säulen war kühl für den Wein, und das Dach hatte zwei Geschosse, in denen sich auch einiges an Erntegut unterbringen ließ.Zehntscheune historisch mit Hof

     

    Noch heute besitzt die katholische Pfarrpfründestiftung ein Kellerrecht unter dem ehemaligen Fruchtspeicher im rechten Flügel, verbrieft am 20. Juli 1855. Am 9.Oktober 1933 ist der Ostflügel am hellichten Tag unter lautem Getöse zusammengestürzt. Das Dachgeschoss war wohl mit ca. 3000 Getreidesäcken von der Firma Frama, einer Karlstadter Malzfabrik, überladen worden.

     

    Letzter Eigentümer bis zum Jahre 1977 war die Raiffeisenbank Gemünden u. Umgebung. Sie hatte wohl erkannt, dass der seit 1920 schon denkmalgeschützte und mittlerweile auch sanierungsbedürftige Bau sich als teure Last erweisen könnte und gab das Eigentum durch eine Verzichtserklärung auf.

     

    Seitdem war das Grundstück, auf dem die Zehntscheune steht, als "HERRENLOS" im Grundbuch eingetragen. Es gab keinen Eigentümer mehr. Der Freistaat Bayern hatte lediglich ein Aneignungsrecht, das er gerne gegen gutes Geld veräußern wollte. In den letzten Jahren leistete die Scheune verschiedenen Ortsvereinen als Lagergebäude für vielerlei Utensilien und für allerlei Ausrüstung gute Dienste.

     

    Um beurteilen zu können, ob das Gebäude erhalten und auch weiterhin als Vereinslager genutzt oder sogar einer neuen Bestimmung zugeführt werden kann, hatte die Gemeinde zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege eine Befunduntersuchung des Gemäuers durchführen lassen.

     

    Nachdem feststand, dass die Verkehrssicherungspflicht laut Gesetz der Gemeinde oblag, in der das Gebäude steht und auch die Erhaltung des geschichtsträchtigen Bauwerkes mehrheitlich mitgetragen wird, hat sich der Gemeinderat im Jahre 2006 für den Rückkauf zum symbolischen Preis von 1,- € entschlossen.

     

    Nach vielen Verhandlungen, Gesprächen und Sitzungen wurde im Juni 2007 mit der Sicherung des Bauwerkes und der Sanierung der Scheune begonnen.

     

    Geplant war eine spätere Nutzung für Jugend, Gemeinde, Vereine und Kirche.

     

    Die Planung lag in den Händen es Architekten Armin Kraus. Die tatsächlichen Kosten für diese Maßnahme betrugen rund 1.000.000 €.

    Zehntscheune saniertOberer Zugang zur ZehntscheuneZehntscheune möbliertZehntscheune möbliert

    Durch den plötzlichen Tod des angesehenen Nachbarn Reinhold Gmelch während der Zehntscheunen-Sanierung, konnte die Gemeinde dessen Anwesen kurzfristig käuflich erwerben. Dadurch wurde ein separates Wirtschaftsgebäude erstellt, sodass möglichst viel der restlichen Zehntscheunensubstanz erhalten blieb.

     

    Möglich war diese finanziell aufwendige Sanierung nur durch die Unterstützung durch den Bayerischen Entschädigungsfonds, die Bayer. Landesstiftung für Denkmalschutz, den Bezirk Unterfranken, von vielen Sponsoren aus Körperschaften und von privat.

     

    Wir waren für jeden Cent dankbar.

     

    Die Gemeinde hofft, mit dieser Nutzungsänderung den Erhalt der mit der Geschichte Gössenheims eng verbundenen Zehntscheune auf Dauer gesichert zu haben.

     

    Belohnende Anerkennung für die Sanierung ZehntscheuneInschrift der Zehntscheune über dem südwestlichem Kellerportal

     

     

    Miete für den Festsaal Zehntscheune (bei Selbstreinigung) 180,00 €