Gemeinde Gössenheim und Sachsenheim mit Wappen



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© 2016 Johannes Schmelz Verwaltungsgemeinschaft Gemünden a. Main


 

Sagen und Märchen rund um Gössenheim

 

 

„Des Boudeleslouch“Des Boudeleslouch

 

Bei Gössenheim fließt die Wern durch ein breites Wiesental. Dort gab es eine scheinbare Quelle, die aus großer Tiefe nach oben stieg und in das sogenannte „Bodenlose Loch“ mündete (Geländetiefpunkt auf der Gießwiese ). Immer wieder mahnen die älteren Leute die noch unerfahrenen Kinder und sagen: „Geht ja nicht zu nah an das Loch, dort wohnt eine böse Wasserjungfrau, die zieht euch mit sich hinab. Dann müsst ihr ihre goldenen Haare kämmen, und sie lässt euch hernach nie wieder frei.“

 

Eines Tages fuhr ein Hochzeitspaar nach festlicher Trauung und fröhlichem Hochzeitsmahl von Karlstadt heim nach Gössenheim. Die Jungvermählten saßen in einer goldenen Kutsche. Es war stockfinstere Nacht, als die Brautleute über die Eußenheimer Höhe kamen. Man konnte kaum die eigene Hand vor dem Gesicht sehen. Da verirrte sich der Kutscher und gelangte ins Werntal. Hier kam er vom Weg ab, näherte sich der Quelle und versank mitsamt dem Hochzeitswagen im „Bodenlosen Loch“. Kein Mensch hat die Kutsche jemals wieder gesehen, auch die Brautleute blieben verschwunden. Nur Sonntagskinder sehen bisweilen in der Karfreitagsnacht eine goldene Deichselspitze aus dem Quellwasser am „Bodenlosen Loch“ ragen.Bodenloses-Loch

 

(Eine andere Überlieferung erzählt, dass die goldene Deichselspitze nur an Karfreitag beim 11Uhr-Läuten zu sehen sei! Während des 3. Reiches – zwischen 1933 und 1945 – schuf der Reichsarbeitsdienst Entwässerungsgräben zwischen Eußenheim und Gössenheim sowie an besagter Örtlichkeit, um die Gefahrenstelle zu beseitigen. Weil das Tal dort aber zu wenig Gefälle hat, wurde die Wern unterdükert und der dazugehörige Graben mündet unterhalb der Köbleinsmühle noch heute in die Wern.)

 

(Ulrich Seltsam, Gemünden am Main – Schrägschriftergänzungen von Theo Gärtner, 1. Bgm. Gössenheim)

 

(Quelle: „Aus alten Zeiten“, Main-Spessart-Sagen, herausgegeben von Franz Schicklberger im Echter-Verlag Würzburg)

 

 

 

Die „lange Margret“

 

Es geschah vor Jahren in Gössenheim. Die Heuernte war in vollem Gang, und die „lange Margret“, eine Magd aus dem Dorf, war gerade dabei, in einer „Geige“ (Areal in einer Wassergrabengabelung, “im Bereich der Gießwiese”) Heu zusammenzurechen. Da zogen dunkle Wolken das Werntal herauf. Blitze zuckten, Donner rollten, und schon prasselte ein Wolkenbruch nieder. Gleich einer Sintflut stürzte der Regen herab. Fluchtartig liefen die Leute nach Hause, nur die „lange Margret“ blieb und suchte Schutz unter einem großen Heuhaufen.

 

Die Schleusen des Himmels waren offen wie niemals zuvor, und Finsternis legte sich über das Tal. Die Wern schwoll und vermochte die Wassermassen nicht mehr aufzunehmen. Sie trat über die Ufer und schwemmte den Heuhaufen mitsamt der „langen Margret“ in den Grund zur Mattenau.

 

In ihrer Not rief die Unglückliche alle Heiligen um Hilfe an. Während die Fluten sie wegtrieben, kam sie nochmals kurz auf ihre Füße zu stehen und konnte mit letzter Anstrengung den Ast eines Weidenbaumes erreichen, an dem sie sich festklammerte. So rasch, wie sie gekommen, verrann die Flut wieder. Und Margret verdankte ihrer Länge das Leben. Wie lange sie am Ast zwischen Himmel und Erde gehangen hatte, weiß niemand mehr.

 

(von Ulrich Seltsam, Gemünden am Main, Quelle: „Aus alten Zeiten“, Main-Spessart-Sagen, herausgegeben von Franz Schicklberger im Echter-Verlag Würzburg)

 

 

 

Die Liebe des Edelfräuleins von der Homburg

 

Kunigunde, ein Edelfräulein von der Homburg, hatte ihr Herz an den Knappen ihres Vaters verloren. Die strenge Sitte am Hof erlaubte ihr aber nicht, auch nur einmal ihr Herz bei dem Geliebten auszuschütten. Ein Augenaufschlag, ein Winken mit dem Tüchlein war alles, womit sie die Liebe ihres Schatzes erwidern durfte. Doch Liebe macht erfinderisch, und sie flocht ein Seil, befestigte es am Fensterkreuz ihres Schlafgemaches und ließ sich daran in die Arme ihres Herzgeliebten hinabgleiten.

 

Der strenge und misstrauische Vater ahnte jedoch von der List, da die herzergreifenden Lieder des Knappen, die von den Burgleuten so gerne gehört wurden, plötzlich verstummt waren. So machte sich der alte Ritter auf und ging zu den Gemächern der Frauen. Was musste er da in der Kemenate seiner Tochter sehen: Kunigunde stand mit einem Seil in der Hand vor dem offenen Fenster.

 

Erschrocken vom unerwarteten Erscheinen ihres Vaters, sprang sie geradewegs aus dem Fenster und landete auf dem Sims des unteren Stockwerkes. Dabei war sie so hart aufgesprungen, dass sich der Absatz ihres Schuhes tief in den Stein eingrub. Diesen Schuhabdruck kann man noch heute sehen.

 

(von Ulrich Seltsam aus Gemünden am Main)

 

Fluchtfenster des Burgfräuleins KunigundeSchuhabdruck des verliebten Burgfräuleins Kunigunde

 

 

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